Aufbau nach dem Orléansschen Krieg

Zu einem Wiederaufbau der Stadt konnte es vor dem Ryswyker Frieden im Jahr 1697, trotzdem eine kleine pfälzische Besatzung in das Schloss gelegt wurde, nicht kommen, weil von Philippsburg aus jeder Versuch Häuser statt der elenden Hütten zu bauen, verboten wurde und diejenigen, die es wagten, nur Ungemach über sich und ihre Mitbewohner der Ruinen Heidelbergs herbeizogen. Schliesslich verbot die pfälzische Regierung, welche die Einwohner nicht schützen konnte, bei Strafe den Häuserbau, um die Bewohner vor den Executionen des Commandanten von Philippsburg zu bewahren.

Erst nach dem Frieden begann die Stadt wieder neu zu erstehen. Es war eine vollständige Neugründung auf den Grundmauern der alten Stadt.

Im Auftrag des Kurfürsten bemühten sich bedeutende Architekten, auf den mittelalterlichen Grundmauern eine neue Stadt im barocken Stil zu errichten. Das Rathaus, die »Alte Universität«, das Stadthaus des Oberjägermeisters von Venningen (Haus zum Riesen) und das Palais des Universitätsrektors Johann Philipp Morass, heute Kurpfälzisches Museum, gehören zu den bedeutenden Bauwerken aus dieser Zeit. Viele Häuser erhielten im Zuge der Wiedereinführung des katholischen Glaubens Skulpturenschmuck in Form von Madonnen. Mit Johann Wilhelm war der Jesuitenorden nach Heidelberg zurückgekehrt. Dieser erhielt als Bauplatz das ehemalige Universitätsquartier zwischen Kettengasse und Schulgasse. In kurzer Zeit errichteten die Jesuiten ein Kollegiengebäude, eine Kirche und ein Gymnasium. Doch nicht allein die zerstörte Stadt, sondern vor allem das Schloß wollte der Kurfürst wiederaufbauen. Der Plan einer monumentalen, an Versailles orientierten Schloßanlage westlich von Heidelberg scheiterte jedoch ebenso an der Armut der Heidelberger Bevölkerung wie der Bau einer gigantischen Zufahrtsrampe von der Märzgasse zum pfälzischen Stammschloß.

Neben dem Streit um den Besitz der Heiliggeistkirche war es vor allem die Unmöglichkeit, durch den Bau eines gewaltigen Barockschlosses in Heidelberg ein sichtbares Zeichen absolutistischer Hofhaltung setzen zu können, welche den Nachfolger und Bruder Johann Wilhelms, Kurfürst Carl Philipp, dazu veranlaßte, die Residenz im Jahre 1720 nach Mannheim zu verlegen. Heidelberg sollte nach dem Wunsch des Kurfürsten »bald einem Dorfe ähnlich sein und Gras vor den Häusern wachsen.« Das Verhältnis der Heidelberger zu Carl Philipp ist seitdem getrübt.