Heidelberga Deleta

Während sich schreckliche Szenen vor dem Schlosse abspielten, war der Feind auch in der Stadt gegen das obere Tor vorgedrungen, hunderte von Flüchtlingen vor sich hertreibend. Vor dem Tor stand Melac mit dem Regimente Blausac. Da wurde plötzlich die Torwache im Rücken beschossen, worauf diese sich ergab. Ihrem Beispiele folgten auch die Bürger. Sie und eine grosse Menge von Einwohnern, besonders Frauen und Kinder, die bis ans Tor geflohen waren, wurden unter schweren Misshandlungen in die Heiliggeistkirche getrieben und eben dahin alle diejenigen zusammengedrängt, die in den Häusern und auf den Strassen angetroffen wurden.

Bald war die Kirche so voll, dass die Leute sich fast erdrückten. Später fing das Dach der Heiliggeistkirche an zu brennen, ob durch Funkenflug oder durch Willkür ist bis heute nicht geklärt. Am heftigsten tobte das Feuer im Turm. Die Glocken, ganze Gewölbeteile und brennende Balken stürzten auf die verängstigten Eingeschlossenen herab. In letzter Minute und nur auf flehentliches Bitten des Pfarrers Johann Daniel Schmidtmann wurde ein Tor geöffnet durch das nun alle versuchten ins Freie zu drängen. Dabei wurden etliche totgedrückt, von Soldaten misshandelt und von Marodeuren erschlagen.

Um 7 Uhr spätestens befand sich die ganze Stadt im unbestrittenen Besitz des Feindes und eine halbe Stunde später waren wenigstens 10,000 Mann in der Stadt am Plündern. Die Feinde zerschlugen, was sie nicht mitnehmen konnten und betranken sich alsbald in den reichgefüllten Weinkellern. Während die Stadt nach Überwältigung jedes Widerstands von den Soldaten geplündert wurde, brach Feuer aus, das nach und nach die ganze Stadt verzehrte. In Heidelberg überstanden nur wenige Gebäude den Feuersturm, Am bekanntesten ist das “Haus zum Ritter St.Georg”, dessen massive Steinfassade den Flammen trotzen konnte.

Ludwig XIV aber feierten den “Großen Brand” Heidelbergs mit einem Festgottesdienst und ließ eine Münze prägen, deren stolze Umschrift lautete:

“Heidelberga deleta”, Heidelberg ist zerstört. Auf der Kehrseite sah man das brennende, vom Stromgott und der Stadtgöttin beweinte Heidelberg.