Scheffel Anekdoten

Jedermann kannte Scheffel in Heidelberg. Man sah sein Abbild in Bildern, in Bronze und in Gips gegossen. Nur auf der Scheffelterrasse fehlte seit dem ersten Weltkrieg das Scheffel- denkmal.

Und so kamen Studenten auf den Gedanken, aus einem Haus in der Altstadt eine gipserne Scheffelbüste zu entwenden, sie zum Schloß hinauf zu tragen und an der alten Stelle, auf dem alten Platz aufzustellen.

Der Nachtwind muß wohl die Büste von der Terrasse gefegt haben.

Am folgenden Morgen fand sie ein weinseliger Fremder im Gebüsch. Er rief einen der Schloßwärter herbei, zeigte auf die lädierte Gipsbüste und fragte: “Sagen Sie, guter Mann, ist das vielleicht der berühmte Zwerg Perkeo vom Heidelberger Schloß?" Der schnauzbärtige Schloßführer antwortete etwas unwillig:

“Nee, dess is er net. Awwer gsoffe hott der aach .. .!"

Von Heinrich Vierordt stammt die kleine Geschichte von der Auseinanderetzung Scheffels mit dem Postboten. Der hatte dem Dichter eine Postkarte zugestellt, doch Scheffel verweigerte die Annahme und gab die Karte wieder in die Post zurück. Der Postvorsteher ließ die Postkarte Scheffel erneut zustellen, diesmal gab es einen lautstarken Krach. Scheffel verweigerte erneut die Annahme der Postkarte, und der Briefträger ließ vernehmen: “Sie könne die mein'twege in de Papierkorb schmeiße, wann sie wolle, awwer mei Vorgsetzte bschstehe dodruff daß Sie die Poschtkart' anemme." “Ihre Vorgesetzten sind Esel", brüllte Scheffel mit donnernder Stimme. Darauf der Postbote: Was Sie do ewe gsacht hawwe, Herr Dokder, dess muss schtreng unner uns bleiwe, dann dess könnt u (n) angenehme Folge für Sie hawwe!"

Rudolf Lehr: In Ereignisse und Gestalten - Vom Rhein zum Taubergrund