Das weitere Schicksal

Erst im Jahre 1697 wurde Frieden geschlossen. Die Pfalz und Heidelberg fielen nicht an Frankreich, sondern an Verwandte des verstorbenen Kurfürsten.

Beim Abzug des französichen Heeres von Heidelberg, Ende Mai 1693, war eine Besatzung von 400 Mann zurückgeblieben, die den Auftrag hatte, die noch vorhandenen Befestigungswerke zu sprengen. Sie gingen mit aller Bequemlichkeit an die Arbeit und waren bis in den September tätig, wo Markgraf Ludwig Wilhelm die Franzosen auf dem Schloss zu einer raschen Beendigung ihrer Zerstörungsarbeit zwang. Das die Mineure nicht so erfolgreich waren, lag nicht nur am Pulver, sondern auch an der massiven Bauweise des Heidelberger Schlosses. Von der ungemeinen Stärke der Mauern gibt der Krautturm auch noch 300 Jahre später beredetes Zeugnis ab, denn die Explosion der schwer geladenen Pulverkammer sprengte ihn nicht auseinander, sondern riß ihm nur ein Stück ab, das ungeteilt an seiner Seite herabglitt und heute noch zu sehen ist.

Nach dem Krieg von 1693 gab es mehrere Versuche das Heidelberger Schloss aufzubauen, die jedoch alle scheiterten. Das lag zum einen am Geld und zum anderen auch den Religionszwistigkeiten zwischen dem Kurfürsten Karl Phillip und der Bevölkerung der Stadt Heidelberg. Erzürnt über das Verhalten der Heidelberger in der Kirchensache wurde die kurfürstliche Residenz kurzerhand nach Mannheim verlegt. Im Jahre 1764 schlug ein Blitz in den wiederhergestellten Ott Heinrichsbau und setzte ihn in Flammen. Seitdem verfiel das Schloss immer mehr und wurde zudem von den Bewohnern der Heidelberger Altstadt als Steinbruch benutzt. Nicht wenige Häuser in der Heidelberger Altstadt bestehen aus den Überresten des Heidelberger Schlosses, denn zu jener Zeit holte man sich die Materialien zum Hausbau aus der Kanzleigasse, wohin der Koloß des Dicken Turms abgefallen war. Auch Balken, Fensterrahmen, Ziegel und andere Baustoffe fanden ihre Abnehmer.

Ohne Fenster, Türen und Dächer war das Schloss den Naturgewalten aus geliefert. Bis in die Grundmauern sickerten die Wasser von Regen und Schnee. Das Mauerwerk erweichte. Stürme brausten durch die leeren Räume, Gewölbe brachen ein, die Fußböden verfaulten. Wer die noch verbliebenen Schönheiten der Bauten genau ansehen wollte, mußte über Schutthaufen klettern oder sich den Weg durch Dornengestrüpp bahnen.

Da erstand der Heidelberger Schlossruine im Jahr 1810 ein teurer Freund und Hüter in der Person des französischen Grafen Karl von Graimberg. Dieser entdeckte die geheimnisvolle Schönheit der verfallenen Schlossruine. Seinem Wirken ist es zu verdanken das die Zerstörung der Heidelberger Schlossruine Einhalt geboten wurde und nur Ihm und seinen prächtigen Zeichnungen ist es zu verdanken, daß das Interesse der gebildeten Welt erweckt worden ist. Bald strömten Künstler, Dichter, Studenten herbei um dem Zauber der Ruinen inmitten der anmutigen Landschaft zu geniesen.

Als Graimberg 1864 in Heidelberg starb war Heidelberg schon längst der Inbegriff der deutschen Romantik - was nicht zuletzt sein Verdienst war. Es mag nun wie eine Ironie des Schicksals klingen, denn es war ein Franzose auf dessen Befehl Heidelberg zerstört wurde, aber es war auch ein Franzose der Heidelberg zu seinem ewigen Ruhm verhalf.