Der Specksalat

Die gute Jungfer Kolb, so schreibt Liselotte im Jahre 1700 aus Frankreich, betrog ich oft in meinen jungen Jahren mit nachts zu essen, allein wir aßen nicht so delikate Sachen, als wie Schokolade, Kaffee und Tee, sondern wir fraßen einen guten Krautsalat mit Speck.

Ich erinnere mich, daß man einmal in meiner Kammer zu Heidelberg eine Tür verändert und derowegen mein und der Kolbin Bett in die Kammer tat, so vor meiner Jungfern Kammer war. Die Kolbin hatte mir verboten, nachts in der Jungfern Kammer zu gehen; ich versprach, nicht über die Schwelle zu kommen, sie sollte sich nur zu Bett begeben, ich könnte noch nicht schlafen, wollte die Sterne noch ein wenig am Fenster betrachten, Die Kolbin wollte mir nicht trauen, blieb immer in ihrem Nachttuch sitzen; ich sagte, sie jammerte mich, sie sollte sich doch zu Bett legen und den Vorhang aufmachen, so könnte sie mich ja sehen. Das tat sie. Sobald sie im Bett war, machten die Jungfern ihre Tür auf und setzten den Teller mit dem Specksalat auf die Schwell.

Ich tat, als wenn mein Schnupftuch gefallen wäre, hüb damit den Teller auf und ging stracks ans Fenster. Kaum hatte ich drei gute Maulvoll geschluckt, so schießt man auf einmal das Stück los, so auf der Altane vor meinem Fenster war, denn es war ein Brand in der Stadt angegangen. Die Kolbin, so das Feuer unerhört fürchtet, springt aus dem Bett; ich, aus Furcht, ertappt zu werden, werfe meine Serviette mitsamt dem silbernen Teller mit Salat zum Fenster naus, hatte also nichts mehr, das Maul abzuwischen. Indem höre ich die hölzerne Stiege heraufgehen, das war der Kurfürst, unser Papa selig, der kam in meine Kammer, zu sehen, wo der Brand war. Wie er mich so mit dem fetten Maul und Kinn sah, fing er an zu schwören:

"Sakrament, Liselotte, ich glaub, Ihr schmiert Euch etwas auf das Gesicht." Ich sagte: "Es ist nur Mundpomade, die ich wegen der gespaltenen Lefzen geschmiert habe/' Papa sagte: "Ihr seid schmutzig." Da kam mir das Lachen an; Papa und alle, so bei ihm waren, meinten, ich wäre närrisch worden, so zu lachen. Die Raugräfin kam auch herauf und ging durch meiner Jungfern Kammer, kam daher und sagte:

 "Ah, wie riechts in der Jungfern Kammer nach Specksalat." Da merkte der Kurfürst den Possen und sagte: "Daß ist denn Eure Mundpomade, Liselotte." Wie ich sah, daß der Kurfürst in guter Laune war, gestund ich die Sache und verzählte den ganzen Handel, wie ich die Hofmeisterin betrogen hätte. Der Kurfürst lachte nur drüber, aber die Kolbin hat mirs lang nicht verziehen.

 

Aus: Reinhard Hoppe: Heimat um Heidelberg